Die letzten Tage aus Schülersicht

Der Donnerstag

Wir sind heute Morgen aufgestanden und haben gemeinsam gefrühstückt. Danach sind wir gegen 9:30 aus dem Hotel gegangen,und haben unseren Museumsbesuch hinter uns gebracht. Dannach sprachen wir über das Museum. Dann durften wir uns von unseren Begleitpersonen verabschieden und hatten Freizeit in Warschau. Danach sind wir wieder ins Hotel gegangen und haben eine kleine Pause eingelegt. Nach der eingelegten Pause sind wir gegen 20:00 in ein tolles Resturant gegangen und hatten einen gemeinsamen schönen Abend. Anschließend sind wir in der Stadt herum gelaufen in die Richtung vom Hotel.

Der Freitag aus Schülersicht

Heute morgen sind wir gemeinsam ins Waisenhaus von Janusz Korczak gefahren. Dort war eine nette Frau,die uns sehr viele Informationen gegeben hat, wie z.B das sie dort ein Gericht hatten, das von Kindern aus dem Waisenhaus geführt worden ist. (sowas ähnliches haben wir an unserer Schule auch). In dem Waisehaus waren ungefähr 107 Juden davon 57 Mädchen und 51 Jungs. Das war total neu für die Zeit von Korczak, das Jungen und Mädchen in einem Haus lebten.

Nach dem Waisenaus sind wir zum jüdischen Friedhof gelaufen. Dort haben wir gelernt, dass die Beamten des Kaisers vor langer Zeit den Juden “witzige“ oder sprechende  Namen gegeben haben, wenn sie selbst  keinen Namen annehmen wollten. Einer hieß z.B Jonas Wahlfisch. Wir sind weiter in den Friedhof hinein gegangen und da standen sehr unterschiedliche Gräber, z.B. ein einfacher Stein mit einem Namen und der Zeit von wann bis wann der  ensch gelebt hat. Oder ein Grab, das wie ein kleiner Tempel aussieht. Das heißt, das der Mensch, der in dem Grab liegt, viel Geld besaß.

Gegen fünf sind wir zu “Pirogies and more” gefahren. Dort haben wir gelernt, wie man den Teig und Füllung macht. Man kann die Füllung der Piroggen so gestallten, wie man will. Dann durften wir sehen, wie sie gekocht wurden. Zum Schluss haben wir die 4 Sorten Piroggen probiert.

Donnerstag

Heute gab es Warschau bei Tag. Der Weg zu Korczak führte auch dieses Mal nicht am POLIN vorbei. Das extra gebaute Museum erzählt (sehr spannend) die Geschichte von Polen und Juden seit dem Mittelalter. Mit allen Höhen und Tiefen und Widersprüchen. Es ist deshalb besonders gut geeignet für die Vorbereitung auf die Zeremonie am Samstag. Die geschichtliche Erzählung wird nicht auf den Zweiten Weltkrieg verengt sondern erzählt viel mehr von der Vielfalt der Jahrhunderte davor.

Der Standort des Museums selbst ist geschichtsträchtig: Vor achtzig Jahren befand sich an seiner Stelle der Weg zum Umschlagplatz in der Stawkistraße, an dem die Bewohner des Ghettos in Viehwaggons in den Tod geschickt wurden. Direkt davor ragt das Denkmal für die Helden des Ghettoaufstandes auf, an dem Willy Brandt seinen Kniefall im Dezember 1970 vollzog.

Heute war Museumstag und der Eintritt frei. Jeder ging mit seinem Audioguide nach seinem eigenen Rhythmus durch die Ausstellung. Manche waren sehr schnell durch, andere hielten sich an den Stationen länger auf und lauschten auf die Erklärungen. Wir fanden uns im Restaurant wieder und diskutierten lange nach dem Dessert über unsere Eindrücke.

Mir blieb eine Station besonders in Erinnerung: Im Themenblock „Räumung des Ghettos“ waren drei Holzbänke installiert, wie sie damals in Straßenbahnen zu finden waren. Auf ihnen saßen Besucher und schauten aus den „Fenstern“ auf die zerstörten Straßen, die auf den Leinwänden vorbeizogen. Eine ältere Frau erklärte einer jüngeren und einem vielleicht Zwölfjährigen etwas. Vielleicht eine Großmutter mit Tochter und Enkelin. Ich folgte der Sprachmelodie und mir wurde klar, dass sie hebräisch sprachen, als die ältere Dame das Wort „Umschlagplatz“ sagte. Einfach so, ein einziges Wort. Ohne Akzent. „Umschlagplatz“. Ich hoffe, die deutsche Sprache hat noch andere, bessere Spuren in den Sprachen der Welt hinterlassen als „Umschlagplatz“ und „Achtung!“ und „Ausweis!“.

Wir haben einige Bilder ausgewählt, um einen kleinen Eindruck zu geben. Wahrscheinlich könnten wir fünfzig und mehr hier anfügen, ohne alle Facetten ausreichend zu beleuchten, die im Museum so gut erklärt werden. Collin wird uns später noch mit einem Beitrag liefern, wie er das Museum und den Tag erlebt hat.

Der Nachmittag sah uns dann in der Altstadt. Stare Miesto. Zum Glück haben wir Herrn Große dabei, der ganz gut mit Polnisch zurechtkommt und uns mit seinem Wissen verblüfft.

95 Prozent der Altstadt und 85 Prozent von ganz Warschau waren von den Deutschen systematisch zerstört woren. Nach dem Ghettoaufstand und dem Warschauer Aufstand wurden die Häuser gesprengt oder mit Flammenwerfern in Brand gesetzt. Besonders viele Bibliotheken, Archive und Schulen fielen der Zerstörung zum Opfer. Die Restaurierung der Altstadt – mit den historischen Materialien – gilt als die größte, die jemals unternommen wurde.

Aber: Wir sind da!

Siebenhundert Kilometer sind nicht viel für eine Idee, ein Datenpaket oder ein Telefonanruf. Eben noch hier, jetzt schon dort.

Wenn man aber seinen Körper in ein Auto packen muss, merkt man sehr gut die Distanz. Wenn man geduldig ist, alle zwei Stunden eine Pause macht, kommt man langsam ans Ziel. Das hat einen Preis. Das Nervenkostüm wird dünner und der abschließende Feierabendverkehr ist dann die Hölle der anderen.

Aber, aber, aber: Wir sind da. Im Herzen von Warschau haben wir Quartier im Hotel Mazowiecki bezogen. In der dritten und vierten Etage schauen unsere Zimmer schon ein wenig über die Dächer in der Umgebung. Unten pulsiert das Nachtleben in den Bars und Cafés.

Wir haben es uns nicht nehmen lassen und sind noch zum Kulturpalast und in die Altstadt gelaufen. Am Kulturpalast, wo wir letztes Jahr fünzig Meter am Korczakdenkmal vorbeigelaufen sind, ohne es zu ahnen. Und auch andere sehenswerte Stationen haben wir erst jetzt entdeckt: Das Jüdische Theater und Kulturzentrum, eine Open-Air Austellung zu berühmten jüdischen Persönlichkeiten, die wir uns bei Tageslicht anschauen werden. Jetzt aber haben wir die nötige Bettschwere und ziehen uns zurück.

Am Donnerstag geht es ins POLIN, dem Museum des Jüdischen Lebens und dann in die Altstadt. Stay tuned!

Zwei Jahre Überleben auf drei Quadratkilometern

Unsere kleine Reisegruppe hat sich vor der Fahrt zusammengesetzt und über die kommenden Dinge gesprochen. Da wir dieses Mal einen ganzen Tag mehr Zeit haben, wollten wir uns auf die Spuren des Warschauer Ghettos begeben.

Das ist heute, achtzig Jahre später, gar nicht mehr so einfach. Dort, wo 1942 noch schätzungsweise 400000 Menschen auf engstem Raum lebten und seit 1940 auch die Waisenkinder und Korczak, stehen heute Hochhäuser, Parks und Wohngebäude. Die Häuser wurden nach dem Ghettoaufstand und dem Warschauer Aufstand von den Deutschen dem Erdboden gleich gemacht.

Einzig ein kleines Stück Mauer steht noch zwischen Wohnblöcken. Nicht gerade viel, wenn man sich eine Fläche vorstellen möchte. Einen Mauerweg, den man an seiner Innenseite ablaufen könnte, wie einst die Bewohner des Ghettos.

Wir haben deshalb versucht, uns der Frage anders zu nähern: Was ist eigentlich ein Ghetto? Welche Bilder verbinden wir damit?

Ein schmuddliger Ort – ungepflegt, vernachlässigt. So hat der Begriff in der Alltagssprache überlebt: Als Sammelbegriff für die Hochhaus- und Schlafstädte, wo nichts mehr passiert. Jedenfalls nichts Gutes. Und die trotzdem eine Identifizierung erlauben: Da komm ich her, das ist meine „Hood“: Neustadt, Südstadt, Silberhöhe. So für Halle. Für andere Städte sind es andere Namen.

Nach einem kurzen Film der Bundeszentrale für politische Bildung hat sich dieses Bild bald verflüchtigt. Die Deutschen selbst machten im Warschauer Ghetto Filmaufnahmen, von denen einige die Zeit in den Archiven überstanden haben. Wenn man die Filmausschnitte gesehen hat, fällt es einem schon schwerer, von der eigenen Umgebung als ein Ghetto zu sprechen.

Wir haben dann versucht, uns die Enge vorzustellen, die im Film zu sehen war. Mehr als 1,5 Mal die gesamte Einwohnerschaft von Halle auf 3,1 Quadratkilometern? Wie groß ist ein Quadratkilometer, wenn ich ihn erlaufen müsste?

Wir haben dann einfach den Stadtplan von Halle genommen und ein Quadrat im gleichen Maßstab ausgeschnitten und darüber gelegt. Die Bilder sprechen für sich.

Wir fahren wieder

Vom 21. – 25.09. fahren drei Erwachsene und fünf Jugendliche aus unserer Schule nach Warschau.

Collin und Jonas aus Klasse 7 B und Jason, Fynn und Oskar aus der Neunten.

Als Begleiter sind dabei: Herr Sponfeldner-Böttcher, Herr Große und Herr Lehmann.

Wir starten am Mittwoch um neun am Blauen Elefanten in der Silberhöhe. Wenn alles gut geht, sind wir am Abend in Warschau und können in unserem Hotel erst einmal ausruhen.

Am Donnerstag und Freitag schauen wir uns die Stadt an, besuchen das POLIN Museum und begeben uns auf die Spuren von Janusz Korczak und seinen Waisenkindern.

Am Samstag fahren wir zur Gedenkstätte Treblinka, eine Autostunde von Warschau entfernt und nehmen an der Zeremonie zu Ehren Janusz Korczaks teil.

Denn in diesem Jahr jährt sich die Ermordung von Janusz Korczak und seiner Waisenkinder zum achtzigsten Mal.

Wir werden die Namen von Opfern verlesen, Gebete sprechen und ein Gedicht aufsagen. Danach können wir die neue App ausprobieren, die den Besuchern die Gedenkstätte auf Deutsch erklärt. SchülerInnen unserer Schule haben dabei geholfen, diese App zu erstellen:

Durch das Übersetzen der Texte aus dem Englischen und das Einsprechen eines Gedichts und Textes bei Radio Corax.

Am Sonntag kommen wir dann wieder nach Halle zurück.

Wir werden euch hier live von unseren Erlebnissen berichten und Bilder hochladen. Vielleicht drehen wir auch noch einen Film, basteln einen Fotoroman oder verarbeiten unsere Eindrücke auf andere Art und Weise.

Denn Eindrücke wird es bei einer solchen Reise garantiert geben!

Die Reise wird ermöglicht durch Mittel aus dem Fonds „Aufholen nach Corona“

Arbeit am Audioguide für Treblinka II

Der Titel hört sich trocken an, aber die Arbeit ist hochspannend. Und – wenigstens für unsere Seite – mittlerweile beendet.

Der Audioguide für das Gelände von Treblinka II – dem Vernichtungslager – war bisher nur auf Polnisch, Englisch und Hebräisch verfügbar. Für die Bearbeitung in der Sprache der Täter fehlte bisher die Finanzierung und das Know-How für die Übersetzung der einzelnen Stationen. Als Partner wurde der Kinderschutzbund DKSB BV Halle e.V. gefunden, der auch die Schulsozialarbeit an der Janusz-Korczak-Schule Halle trägt. So konnte die Memory of Treblinka Foundation einen Zuschuss über die Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit (SDPZ) erhalten.

Der existierende Text wurde aus den polnischen und englischen Versionen ins Deutsche übersetzt und gemeinsam mit Herrn Bredol von „Form und Inhalt“ feingeschliffen und für das Einsprechen aufbereitet. Dies wird im Sommer von einer Firma in Polen erledigt werden. Die Arbeit am Text zog sich über mehrere Monate hin: Literatur wurde besorgt, um die Zitate der Überlebenden so genau wie möglich wiederzugeben. Um einzelne Worte wurde gerungen: Heißt es „Umsiedler“, „Umgesiedelte“ oder besser „Deportierte“? Sollten die verharmlosenden Begriffe der Nazis benutzt werden, wenn sie sich mit den Beschreibungen der Opfer decken? Wie viel Wissen kann man beim Publikum voraussetzen, das die Gedenkstätte besucht? Erklärt man besser mehr oder geht man davon aus, dass die Besucher Bescheid wissen über die Aktion Reinhardt oder die Aktion T4? Was am Anfang wie eine einfache Übertragungsaufgabe aussah, war am Ende ein Austausch über drei Sprachen hinweg.

Unsere SchülerInnen, die im Oktober 2021 an der Fahrt teilgenommen hatten, haben sich bei Radio Corax, dem lokalen freien Radio getroffen und das Gedicht von Halina Birenbaum „Fahrt nach Trelinka“ eingesprochen. Für die meisten war es der erste Besuch im Studio und ein Gedicht einzusprechen ist schon eine große Herausforderung. Dank des Engagements von Andrea aus der Jugendredaktion war das Gedicht nach drei Anläufen „im Kasten“.

In einem zweiten Anlauf nahmen wir dann noch zehn Minuten mit den Namen und biographischen Angaben von deutschen Treblinkaopfern auf. Reihum lasen wir sie, ihr Alter und ihren letzten Wohnort. Fünf Stimmen, junge und alte, drehten das Karusell der Namen. Zehn Minuten für rund einhundertzwanzig Namen, die wir aus dem Buch der Namen aus den 7993 heute identifizierten deutschen Opfern ausgewählt hatten. 7993 Namen aus den rund neunhunderttausend Opfern, die in Treblinka in nur dreizehn Monaten ermordet worden sind!

Jetzt sind wir gespannt, wie der Audioguide umgesetzt werden wird, denn wir möchten ihn bei unserem Besuch Ende September ausprobieren.

Vernissage der Fotoausstellung „Reise nach Treblinka“

Am 12. Juli 2022 begrüßen wir zahlreiche Gäste zur Eröffnung unserer Ausstellung mit Bildern unserer Reise nach Warschau und Treblinka. Unter anderem erwarten wir Dr. Karamba Diaby, MdB.

Weil uns die Fotos und ihre Geschichte nicht reichen, hat sich die gesamte Schule daran gemacht und zu den Themen Janusz Korczak, seine Pädagogik, die geschichtlichen Zusammenhänge, die Shoah und die Kinderrechte geforscht. Als Ergebnis können wir stolz mehrere Kurzfilme, eine Biographie Janusz Korczaks in Bildern und vieles mehr präsentieren. Über drei Etagen verteilt, erwarten unsere Gäste interessante und spannend gestaltete Informationen.

Bilder dieses Tages folgen bald.

Loslassen

Die Fahrt ist beendet und wir haben uns neben den vielen Erfahungen, die wir machen durften, über die Reaktionen der Leserinnen und Leser des Blogs gefreut. Es war ein gutes Gefühl so viele Leute zu wissen, die an unserem Abenteuer Anteil genommen haben.

Neben dem, was wir veröffentlicht haben, gibt es noch viele Dinge, die uns beschäftigen, die drängen, sie in der einen oder anderen Form zu bearbeiten.
Und so arbeitet es in uns.

Die ersten Interviews für Radio Corax sind gemacht und warten darauf, im Dezember geschnitten zu werden. Das Sendedatum machen wir publik, sobald es feststeht. Ein Video ist entstanden, in dem die Aufnahmen aus Warschau verarbeitet wurden. Einige Kostproben werden wir demnächst in den Blog stellen.

Wie so oft ist eine Reise ein Anfang. Wir sind zurückgekehrt, aber uns trägt es weiter. Deshalb planen wir eine Ausstellung, die von unserer Reise berichtet und in die all das mit einfliessen soll, was wir bisher nicht beschreiben konnten. Vielleicht können wir andere Schulen und Einrichtungen gewinnen und die Interesse haben, sie zu zeigen.

Mit der Memory of Treblinka Foundation ist eine dauerhafte Kooperation geplant. Auch im nächsten Jahr wollen wieder mit neuen Schülern eine Fahrt veranstalten. Und wir wollen helfen, den Audioguide für Treblinka auch für deutschsprachige Besucher zugänglich zu machen. Es ist uns wichtig, dass neben polnischen, englischen und hebräischen Besuchern gerade deutsche Gäste tiefer eintauchen können, ergriffen sind (so wie wir es waren) und davon berichten, einmal nach Hause zurückgekehrt.

Es lohnt sich also, weiterhin einen Blick in den Blog zu werfen. Stay tuned, liebes Publikum!

Worte finden

Wir wussten, dass die Zeremonie – der eigentliche Grund unserer Reise – nichts Alltägliches werden würde. Jeder und jede von uns hat sich ganz sicher Gedanken gemacht: Wer wird kommen? Werde ich meinen Text so votragen können, wie ich es möchte, Was macht der Ort, an dem fast neunhunderttausend Menschen in einem Jahr getötet worden sind, mit mir.

Selbst mit all diesen Gedanken und Ahnungen traf uns die Realität ganz anders und deshalb um so tiefer:

Ein strahlend blauer Himmel, eine fast absolute Ruhe, freundliche und warmherzige Menschen, die begeistert waren von unseren Schals mit den Namen der Korczakkinder. Interessante Gespräche, gerade auch mit Herrn Sawicki von der Memorial of Treblinka Foundation, der mit seiner Art alle berührt hat: Unaufgeregt unermüdlich tätig zu sein und weiter zu machen, auch wenn die Zeiten – nicht nur in Polen – die Geschichte vergessen zu haben scheinen.

Insgesamt waren wir fünfunddreißig Personen, die sich im Kreis am Mahnmal – Standort der ehemaligen Gaskammer – ansahen und das Gedicht Fahrt nach Treblinka! von Halina Birenbaum vortrugen. Auf Polnisch und danach auf Deutsch, jeder von uns mit seiner Strophe. Zwischen dem Verlesen der Namen der Kinder Korczaks sprachen wir Gebete auf Deutsch und auf Polnisch – gleichzeitig. Bei jedem Psalm wurde das Tempo ruhiger, fanden die beiden Sprachen zueinander. Ein Gebet der Hoffnung, nicht allein zu sein auf der Welt und zurecht Vertrauen zu haben in den Lauf der Welt. Vielleicht ist es das, was uns heute fehlt, vielleicht muss man an einen Ort wie Treblinka fahren, um darüber erst wieder nachdenken zu können.

Ich merke, dass es noch ein wenig Abstand braucht, ehe alles in der Erzählung des heutigen Tages seinen Platz findet. Vielleicht auch nicht in einem Blog. Es war für uns alle ein unvergesslicher Tag und der Beginn einer neuen Reise, denn wir haben schon den nächsten Schritt getan, um das Projekt auf eine andere Weise fortzusetzen und darauf freue ich mich ganz besonders.

Die Nacht der dampfenden Socken

Wir sind zurück im Hotel, nach einem Tag der guuut gefüllt war mit Eindrücken aller Art. Wenn es stimmt, dass man eine Stadt erläuft, dann sind wir jetzt alte Hasen, was Warschau betrifft.

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel sind wir zwischen den verglasten Hochhäusern, die wie Pilze aus dem Boden schießen (und zum größten Teil noch nicht fertig sind) zu Fuß zum POLIN, dem Museum für jüdisches Leben. Die zwei Stunden dort vergingen wie im Flug. Djamal wird sicher noch viel mehr dazu erzählen und eine Fotogalerie folgt natürlich auch.

Dann waren wir in der Altstadt unterwegs, am Königsschloss, an der Weichsel …

Durch die Innenstadt zu Fuß zurück; so sieht man ja mehr. Weniger gefallen hat uns der Autoverkehr. Warschau scheint eine Autostadt zu sein: Staus, Gehupe, rasselnde Straßenbahnen, die sich ihren Weg bahnen.

Wir haben gelernt, gegessen, gelacht (ganz viel), gefilmt, fotografiert, Interviews gemacht und gestaunt. Und was die anderen in der Gruppe noch nicht wissen: Wir sind dabei zwanzig Kilometer gelaufen!

Mir kommt es so vor, als wären wir schon mehrere Tage hier, dabei sind wir erst seit 24 Stunden in Warschau.

Nachher gehen wir ins Restaurant; keine Angst, es ist nur hundert Meter von hier und wollen uns nach dem Essen in einer Art Generalprobe auf den morgigen Tag vorbereiten. Warschau ist nur die erste Station unserer Reise: Morgen geht es zur Zeremonie nach Treblinka. Herr Lehmann