Arolsen Archives Challenge 2024

Die Arolsen Archives stellen wieder besondere Akten für den diesjährigen Challenge ins Netz:

In diesem Jahr sollen möglichst viele Akten der Ausbürgerungskartei digital aufbereitet und so der Opfer der Naziherrschaft gedacht werden, die durch die Ausbürgerung durch einen einzigen Verwaltungsakt schutz- und mittellos wurden. Insgesamt 39006 Personen waren davon betroffen.

Mehr Informationen finden sich auf Wikipedia. Hier ein Auszug daraus:

„Deutschen Reichsangehörigen, die sich im Ausland aufhielten und dort durch ihr Verhalten „gegen die Pflicht zur Treue gegen Reich und Volk“ verstießen und die „deutschen Belange“ schädigten, konnte die Staatsangehörigkeit entzogen werden. Auch Personen, die einer Aufforderung zur Rückkehr nicht nachkamen, konnte die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen werden. Ihr Vermögen konnte beschlagnahmt werden und verfiel nach spätestens zwei Jahren dem Deutschen Reich.

Rechtswirksam wurde die Ausbürgerung mit der Veröffentlichung des Namens im Deutschen Reichsanzeiger. Die erste Ausbürgerungsliste des Deutschen Reiches vom 25. August 1933 betraf insgesamt 33, entweder wegen des mit der Machtübernahme der NSDAP einhergehenden Terrors geflüchtete oder bereits länger im Ausland lebende, prominente Gegner des Nationalsozialismus.“

In der Zeit vom 04. bis 17.11.2024 sollen so viele Akten wie möglich digitalisiert werden und so an die Opfer zu erinnern, die zum Teil ein Leben lang staatenlos blieben und ihr Vermögen nie zurück erhielten.

Nehmt Euch die Zeit und macht Euch an die Tastaturen. Hier geht’s zur Challenge

Ein Grund zur Freude

Das POLIN in Warschau, das Museum des jüdischen Geschichte in Polen feierte sein zehnjähriges Bestehen. Auf unseren Reisen nach Warschau haben wir es jedes Mal besucht und uns über die ausgewogenen Ausstellungen gefreut, die uns gut auf unsere weitere Reise zur Gedenksstätte nach Treblinka vorbereitet haben.

Einen Grund zu feiern hatten auch unsere Freunde Pawel und Eva von der Memory of Treblinka Foundation. Sie wurden mit dem diesjährigen Hauptpreis des POLIN geehrt für ihre jahrelange Arbeit zum Gedenken an die Opfer des Vernichtungslagers Treblinka.

Eine weitere gute Nachricht für die Foundation: Es wird eine Wand auf dem Gelände der Gedenkstätte entstehen, auf der sich die bisher ermittelten Namen der Opfer wiederfinden sollen. Im Moment sind Pawel, Eva und ihre KollegInnen dabei, die 120000 (!) ermittelten Namen zu überprüfen, bevor sie angebracht werden.

Aus eigener Erfahrung mit der Recherche nach den Namen der Korczakwaisen: eine Mammutaufgabe und Stress aber auch die Bestätigung ihrer jahrzehntelangen Arbeit für das Gedenken. Im Video erklären sie das selbst noch einmal.

Wir hoffen, dass wir die beiden im kommenden Frühjahr wiedersehen. Entweder in Treblinka mit einer neuen Schulgruppe oder in Halle zur großen Einweihungsparty der renovierten Korczakschule. Am besten aber beides!

Eine Fassade für die Namen

Seit letzter Woche sind achtundvierzig der Namen der Korczakkinder an der Fassade unserer renovierten Schule zu bewundern. Yes!!!

Auch Stefania Wilcynska hat prominent einen Platz gefunden.

Von den zweihundert Kindern, die 1942 im Waisenhaus im Ghetto lebten, haben wir einhundertzwei Namen ermitteln können. Das war der Beginn unserer Reise, die wir in diesem Blog mal mehr mal weniger intensiv dokumentieren.

In einem ersten Entwurf sollten alle einhundertzwei Namen auf dem Giebel mit dem Baum und dem Schriftzug „Janusz Korczak“ Platz finden.

Das Ergebnis hat uns ästhetisch nicht überzeugt. Zu dicht, zu viel Informationen.

Die anschließende Fassade konnte einige zusätzliche Namen aufnehmen, aber das Ergebnis war immer noch eine Fassade voller Namen – ohne eine Verbindung zueineinander.

Wir standen uns selbst im Weg: Unser Wunsch, alle Namen anzubringen, ließ uns immer kompliziertere Lösungen suchen.

Wir haben uns dann erlaubt, eine Auswahl zu treffen, die stellvertretend für alle zweihundert Waisenkinder steht, die 1942 noch im Waisenhaus lebten.

Nach der langen Zeit des Wartens auf die Fertigstellung der Fassade und die Diskussionen um den richtigen Entwurf, ging es dann im August ganz schnell:

Die Bauleitung mietete eine Hebebühne und unser Künstler Boogie und sein Kollege Christopher brachten die Namen in fünf Tagen an die Wand. Es war nicht einfach, in der Sommerhitze auf der Bühne zu arbeiten und die Schablonen genau nach Plan anzubringen. Am Ende waren sie so eingespielt, dass noch mehr Namen hätten angebracht werden können. Wir lassen es aber bei den achtundvierzig.

Die ersten Gespräche mit Neugierigen gab es schon bei der Entstehung der Graffiti: Sind das Absolventen der Schule? Aus welchem Land kommen die Namen? Wieso gibt es keinen Gerd oder Günther an der Wand? Auch eigene Recherchen zu den Namen gab es im Anschluss.

Für uns ist das ein Zeichen: Wir haben vieles reichtig gemacht mit unserer Idee, Interesse und Austausch zu wecken.

Das nächste Projekt wird deshalb ein Text, der die Geschichte der Namen an der Fassade erklärt. Gemeinsam mit unseren Schülern wollen wir die richtigen Worte finden und eine Tafel am Eingang zum Schulgelände anbringen, damit noch mehr Menschen die Geschichte Korczas und seiner Waisenkinder kennen lernen.

Im Frühjahr 2025 möchten wir gerne eine große Einweihungsparty schmeißen:

Für das Schulgebäude, die Namen an der Fassade, die Kacheln mit den Namen in der Schule und für uns selbst als Schulgemeinschaft.